Torsnesstølen

Die Brunnen in Mirage verbessern das Leben von ca. 25 000 Menschen.

Künstler:
Marianne Heier
Torsnesstølen.
Torsnesstølen. Foto: Therese Ruud, Statens vegvesen

Mirage, die Fata Morgana, ist ein optisches Phänomen, bei dem ein Objekt, das sich hinter dem Horizont befindet, aufgrund der Krümmung der Erde und der Lichtbrechung in der Atmosphäre sichtbar werden kann. Mirage ist ebenfalls ein Kunstwerk von Marianne Heier auf der Landschaftsroute Gaularfjellet und in Malawi. Das Werk besteht aus zehn Brunnen: neun in Malawi und einem in Norwegen. An allen zehn Brunnen wurde eine in Malawi entworfene Pumpe angebracht.

Die Brunnen in Malawi befinden sich in trockenen Gebieten ohne sauberes Trinkwasser. Der Brunnen in Norwegen wurde im niederschlagsreichen West-Norwegen zuoberst des Gaularvassdraget errichtet. 1993 wurde das Gewässer, das am Gletscher Jostefonn in Sogn und Fjordane enstpringt und in den Dalsfjord mit einer Gesamtlänge von 626 km mündet, unter Naturschutz gestellt. Jetzt fließt das Brunnenwasser in den Fluss Gaula und endet im großen Zusammenhang, dem Meer, das die Küsten von Norwegen und Afrika berührt.

Marianne Heiers Projekt entstand in Zusammenarbeit mit der UNICEF. Durch ihr Engagement wurde eine Einladung dorthin möglich. Sie hat so für die Verwirklichung des Brunnenprojekts in Zusammenarbeit mit der UNICEF als Mitträger des Kunstwerkes Mirage gesorgt. Bei dem Werk geht es um die Verteilung und Kontrolle von natürlichen Rohstoffen, die Kolonialgeschichte, Lebensqualität und Spendenproblematik.

Die Brunnen in Mirage verbessern das Leben von ca. 25 000 Menschen.

Marianne Heiers Kunst wird im Gespräch und in der Reflexion über das Werk geschaffen. Damit sich ihre Kunst für uns öffnet, ist es wichtig, den Zusammenhang zu verstehen, in dem die Werke geschaffen wurden, und uns in das Gespräch über sie einladen zu lassen.  Gespräche an Brunnen gaben schon zu uralten Zeiten Anlass zum Austausch von Informationen und Neuigkeiten. Man hatte die Möglichkeit, seine Mitmenschen zu treffen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Mit diesem Projekt, einer Spiegelung zwischen Norwegen und Malawi, erweckt die Künstlerin diese Möglichkeit wieder zum Leben.

Neben der einzigartigen Natur im Gaularfjell, die wir erleben können, werden wir dazu eingeladen, über das Wasser als lebensnotwendigen Rohstoff und die ungleiche Verteilung der Rohstoffe in der Welt zu reflektieren. Die Natur kann brutal und gewaltsam, schön und zum Nachdenken anregend sein. Die Natur sind einfach praktische Vorgänge. Bei zu viel Niederschlag kommt es zu Überschwemmungen. Ist die Vegetation nicht in der Lage, aufgrund des Niederschlags die Struktur zu halten, löst sie sich auf, und es kommt zu Erdrutschen. Bei Trockenheit sinkt das Grundwasser, und die Erde trocknet aus.  Der Unterschied zwischen Malawi und dem feuchten West-Norwegen ist beachtlich.

Marianne Heier ist Norwegerin mit Wohnsitz in Oslo (geb. 1969). Sie beschäftigt sich mit Institutionskritik, wobei ihre künstlerische Praxis darin besteht, sich mit recht alltäglichen Situationen auseinanderzusetzen, sie zu öffnen und uns zu zeigen, was sich eigentlich um uns herum bewegt. Oft arbeitet sie auch mit Spenden als Phänomen. Sie benutzt sie als Material für ihre Kunst, und auf diese Art und Weise fordert sie uns heraus, indem sie das Licht darauf lenkt, was hinter vielem liegt, das täglich an uns vorbeiflimmert, ohne dass wir darauf reagieren.  Mit diesem Projekt greift sie in soziale und politische Zustände ein und richtet ihren Blick auf die Machtverhältnisse und die Verteilung der Rohstoffe in der Welt.

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